DHL- wie war das eigentlich damals 1979 ?
November 1979 hatte ich gerade meine Lehre abgeschlossen, eigentlich wollte ich dann eigentlich studieren, aber erst einmal Geld verdienen, um mir einige Wünsche zu erfüllen.
Mein Bruder arbeitete damals bei einer vollkommen unbekannten Firma namens DHL, ich hatte offen gesagt keine Ahnung was die überhaupt machten, bis er mir den Vorschlag machte dort auch anzufangen.
Also die langen Haare abgeschnitten und zum Vorstellungsgespräch beim Niederlassungsleiter aus Südafrika. der konnte kein Deutsch, und mein Englisch war so lala, aber offensichtlich reichte es um die Stelle zu erhlalten.
Beim Gehalt wurde mir warm ums Herz, 1900,-DM Brutto in der Probezeit, dann 2100,-DM, dazu gab es einen kostenlosen Firmenwagen (Ford Fiesta), das war zur damaligen Zeit fürstlich und entsprach eher dem Gehalt meines Meisters in der Ausbildung.
Meine erste Tat am nächsten Tag (ein Samstag) bestand darin beim Umzug aus dem Apartment des Niederlassungsleiters vom Seestern in Düsseldorf in die Wanheimer Str., 39 (ein ehemaliges Deutscher Supermarkt Zentrallager) zu helfen.
Es war nicht viel, einige Holzkästen, etliche Nylonsäcke mit Aufdrucken der Zielorte und diverses Büromobiliar. Da die gesamte stolze Belegschaft von 6 Personen mitmachte, war das schnell erledigt.
Die Belegschaft von DHL Düsseldorf bestand aus 4 Kurierfahrern, dem Niederlassungsleiter und seiner Sekretärin. Dazu gab es noch einen freien Handelsvertreter, der aber auf Kommission arbeitet.
Montag dann der erste richtige Arbeitstag.
Zunächst wurden die "Greenbags" ausgeleert, in denen sich kleiner farbkodierte Säcke mit dem Zeichen "DUS" befanden, die dann an diverse Firmen im Rhein Ruhr Gebiet ausgeliefert wurden.es gab damals nur etwa 60 Niederlassungen von DHL weltweit, so das das eigentlich überschaubar war.
Da es Montag war und viele Länder Samstags bzw. das Wochenende (Mittlerer Osten z.B.) arbeiteten, war es recht viel für die 4 Fahrer, eigentlich 3, denn da ich noch auf die Tour angelernt wurde, war ich zum Lehrling im Fahrzeug degradiert.
Während der Tour erklärte mir dann mein Bruder alles über meinen Job. "Learning by doing" war da die DHL Devise.
Dabei lernte ich auch wo das ganze Zeug herkam, was wir da aus den Säcken schütteten.
Die "Greenbags" kamen aus Amsterdam mit einem schnellen Lieferwagen, der jede Nacht die Internationalen Finanzzeitungen an die Frankfurter Zeitungshändler brachte, denn Internet gab es damals ja noch nicht, also mussten die Makler sich daraus informieren.
Auch sonst war die Kommunikation in den 70/80 Jahren etwas rudimentär, diese bestand aus (extrem teurem) Telefon und einem Telexgerät, was ständig in einer Ecke vor sich hin ratterte.
Der Zeitungsspediteur hatte natürlich eine sehr zuverlässige Linie aufgebaut, daher nutzte DHL diese auch und es war auch alles immer pünktlich.
Auf die Liefertour der Dokumentensendungen wurden auch gleichzeitig die Sendungen der Kunden abgeholt, die etwas verschickten, das beschränkte sich morgens auf reine USA Sendungen, denn diese wurden mit einem Mittagsflug und Ob Board Kurier nach Frankfurt geschafft.
Der On Board Kurier war natürlich einer von uns! Was sich wie eine willkommen längere Pause anhörte, war eher stressig.
Zunächst wurden die USA Sendungen manifestiert, dann einen oder mehrere Säcke gepackt und dann zum Flughafen Düsseldorf gerast, wo man quasi in letzter Minute eincheckte. Die Säcke wurden eingecheckt, das Bodenpersonal war informiert und akzeptierte den Kram trotz Schalterschluss und ein extra Mann stand auch schon da um das Übergepäck in den Flieger zu werfen, aber man musste trotzdem zum Gate rennen.
Die Landung in Frankfurt nach 45 Minuten gestaltet sich ähnlich spektakulär, man raste zu einem Treffpunkt, gab dem dort wartenden Mann sein Ticket und rannte dann wieder zurück zum Rückflug nach Düsseldorf. Zwar konnte man das Flugzeug wegen Verspätung auf dem Hinflug nicht verpassen (Es war das gleiche), aber man hatte auch nur etwa 30-40 Minuten Zeit insgesamt, angesichts der Entfernungen kam man da etwas außer Atem.
Um das "Übergepäck" kümmerte man sich nicht,m das machte der DHL Kollege mit dem übergebenen Ticket.
Zurück in Düsseldorf kümmerte sich der "On Board" Kurier dann um den Versand der anderen Sendungen und half dem Niederlassungsleiter bei diversen operationellen Arbeiten mit.
Um die damalige Zeit zu veranschaulichen, schildere ich das einmal, die meisten können sich kaum vorstellen, wie eine Welt ohne PC und Internet aussah.
Da gab es zunächst einmal die POD (Proof of delivery, also Abliefernachweise) einzusortieren.
Das machte man von Hand in ein Wandregal mit Fächern, bei etwa 160 Niederlassungen war das ja überschaubar. Gleichzeitig musste man prüfen, ob auf dem Zettel eventuell COD angekreuzt war, also der Empfänger bezahlen sollte, was man dann in Rechnung stellen musste.
Diese Zettelsammlung wurde dann bei Gelegenheit in einen der "Wendesaäcke" gesteckt und zusammen mit richtigen Sendungen an die diversen Stationen zurückgeschickt. Falls mal ein Kunde nachfragte, wo und wann wer was erhalten hatte. Also nichts mit Online Sendungstrackern, die gab es damals noch nicht.
DHL war also mehr oder weniger nur eine schnelle Transportfirma mit Einschreiben.
Manuell wurden auch "Manifeste" geschrieben, wo für jeden Zielort die im Sack enthaltenen Pakete aufgelistet wurden, eine Kopie ging in den Sack, die andere für Zollzwecke in einen dicken Umschlag für den Kurier. Denn "Zoll und Grenzen" gab es 1979 noch reichlich, auch innerhalb Europas.
Apropos Säcke, diese waren genial- so war z.B. der DHL Düsseldorf Sack in Orange mit dem fetten Logo DUS versehen, wenn man diesen wendete, also das innere nach Außen kehrte, war dann die jeweilige Destination, z.b. JFK für New York und auch der Sack hatte eine andere Farbcodierung. So hatte jede "Station" der Welt einen oder mehrere Säcke für jede andere Station der Welt.
Erschwert wurde das ganze durch das deutsche Postmonopol, was vorsah, dass Mitteilungen von privater Natur nur durch die deutsche Bundespost befördert werden dürfen.
Das erschwerte die Arbeit etwas, DHL musste damals noch jeden Tage ALLE Sendungen öffnen und nachschauen ob sich a.) zollpflichtige Waren oder b.) private Nachrichten befanden.
Zwar hat DHL nur Firmenpost befördert, aber die eine oder andere Firma hat seinen Mitarbeitern (z.B. im mittleren Osten, wo die deutsche Bauwirtschaft rege tätigt war) auch schon einmal die private Post der Ehefrau mitgegeben, das war natürlich verboten!
Das das auch eingehalten wurde, dafür sorgte der regelmäßige Besuch der Deutschen Post die mit Hilfe von Polizeibeamten dann ab und an einmal die Sendungen vor Ausgang kontrollierte.
Da fuhren die Streifenwagen vor, es wurde ein Zettel hochgehalten und dann musste man stundenlang daneben sitzen, bis die fertig waren.
Leider wurde dabei dann auch der Zeitungswagen verpasst, und alle Verbindungen waren eben einen Tag länger.
Ein paar Monate später wurde dann auch eine eigene Linie zwischen Düsseldorf und Frankfurt eingerichtet, auch Hamburg, Hannover, Köln, erhielten eigene DHl Niederlassungen.
Alles in allem ein aufregendes erstes Jahr für mich und DHL Deutschland.
Im nächsten Blog Post - DHL befördert Waren, der "SPX" Service
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